Bischöfliche Hofkapelle

Samstagmorgen, 4.05 Uhr: Der Wecker klingelt – es geht los. Die kalte Dusche war wohl nötig, die Nacht kurz. Der Kaffee am Morgen das Lebenselixier. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Um 5.15 Uhr stehen die Schapener bereits auf dem Parkplatz des Landgasthauses Rosken. Überall müde, aber aufgeregte Gesichter. Die Treppen des Busses erklommen, ging der wilde Ritt nach Hildesheim endlich los. Die erste Stunde nutzten viele, um noch eine Mütze Schlaf zu ergattern. Aber spätestens nach der Pause auf dem Rastplatz Auetal war das nicht mehr denkbar. Der warme Kaffee und leckere Kuchen stärkten die Musiker und mitgereisten Schapener.

„Wenn wir gleich in Hildesheim ankommen, dann müssen alle mit anpacken.“

Vorsitzender Edmund Huil

Viele Hände, schnelles Ende: Um 9 Uhr in Hildesheim angekommen, war der Weg ins das Gymnasium Josephinum nicht weit. Am Domplatz vorbei trafen die Schapener auf das Who-Is-Who der deutschen Katholischen Kirche. Auch einige bekannte Gesichter vom Handruper Gymnasium Leoninum, Heiner Wilmers Alma Mater, konnten ausgemacht werden.

Viele kleine und große Kinder in Messdienergewänden gingen in Richtung Hildesheimer Mariendom und waren mindestens so aufgeregt wie die Schapener. Beeindruckend zu sehen waren die Gruppen und Vereine, die unseren Schapener Jung Heiner Wilmer in seinen wohl wichtigsten Stunden unterstützen wollen. Neben Schützenvereinen und Schulgruppen, waren auch einige Ritter dabei. „Hast du die schon gesehen?“, war wohl die bestimmendste Frage in der Zeit vor dem Weihgottesdienst.

Gemütlich wollten die Schapener auf dem Domplatz ihre Bänke besetzen. Aber nichts da: Schon eine knappe halbe Stunde vor Beginn der Weihe war der Platz bis an den Rand gefüllt. Also hieß es in kleine Gruppen aufteilen und irgendwo einen Platz finden. Auf denen hielt es die Schapener aber nicht lange, als Heiner Wilmer kurz vor 10 Uhr sein Bischofshaus verlies. Wie ein kleiner Star jubelten und klatschten bereits einige Begeisterte.

Sichtlich angespannt betrat der angehende Bischof umsäumt von hunderten Messdiener und zahlreichen Bischöfen den Hildesheimer Dom, sein neues Zuhause. Schnell wieder Platz nehmen, sodass die Schapener auch ja nichts verpassen, war die Devise. Die Sicht einigermaßen gut, nahm der Weihgottesdienst seinen Lauf. Auf den engen Bänken kamen die ersten leisen Gespräche auf: „Wo kommt ihr denn her?“. Begeistert zeigten sich die übrigen Gottesdienstbesucher von der großen Scharr an Schapenener: Mehr als 200 wollten ihren „Schapener Jung“ schließlich tatkräftig unterstützen.

Spätestens als alle Last von ihm abfiel und Heiner inmitten des Doms auf Plattdeutsch erklärte, weshalb er ein Faß Bier für die Emsländer organisieren musste, hatte er alle Herzen bei sich. Lautes Lachen und Applaudieren hallte vom Dom über den Domplatz, vermutlich bis nach Schapen. Wie menschlich und nahbar er trotz seiner neuen Aufgabe als Bischof bleiben wird, zeigte der „Herz-Jesu-Bischof“, wie Erzbischof Stefan Heße aus Hamburg in taufte, bei seinem Bad in der Menge. Sein breites Grinsen steckte alle mit an und es flossen bestimmt so einige Tränchen.

Nach der Weihe machten sich die Musiker auf, sich erst einmal zu stärken. Nach den vier Stunden Gottesdienst war das auch bitter nötig. Den Klängen des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Dinklar lauschend, schmeckte das Schnitzelbrötchen großartig. Einige Stücke spielten wir zusammen vor dem beeindruckenden Dom. Vielleicht war es Wunschdenken oder Einbildung, aber mit Sicherheit wanderte der ein oder andere Blick des neuen Bischofs in Richtung der Bühne.

Ein Highlight, auf das sich die Schapener schon während der Busfahrt eingestimmt hatten, war das Schapen-Lied:

„Scha-Scha-Schapen, klein aber fein. Scha-Scha-Schapen, ich lieb‘ dich nicht nur zum Schein. Zwar wachsen keine Reben hier, aber dafür gibt es Schnaps und Bier. Unsere Stimmung ist famos, in Schapen ist immer was los“,

schallte es laut über den Hildesheimer Domplatz.

Zwar konnte sich unser Bischof von seinen offiziellen Pflichten nicht lösen und lautstark mit den Schapenern einstimmen, in seinem Herzen sang er aber bestimmt mit. In Windeseile packten die Musiker ihre Sachen zusammen und rannten förmlich zurück zum Bus aus Sorge, dass dieser ohne sie fahren würde. Fehlt noch einer? Ja, Heiner! Dieser bleibt aber wohl oder übel in Hildesheim.

In alter Blaskapellen-Manier musste selbstverständlich auf dem Rastplatz „Mutter, Mutter, der Reis kocht über“ gespielt werden. Sonst wäre es kein #blaskapelleontour gewesen. Trotz großer Müdigkeit war die Busfahrt definitiv alles andere als langweilig. Nicht nur ein Geburtstagsständchen wurde gesungen, auch der Franz von der Vogelwiese saß plötzlich im Bus auf dem Weg nach Schapen. Als auf der Autobahn das Schild „Willkommen im Emsland“ zu sehen war, rückte die Heimat in greifbare Nähe. Obwohl alle abends todmüde ins Bett gefallen sind, hat sich der kleine Roadtrip auf jeden Fall gelohnt. Abschließend bleibt uns nur noch zu sagen:

„Heiner, es war uns eine Ehre!“

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